Es hätte ja „Hinz & Kunzt (Hamburg)“, „Biss (München)“, „Abseits (Osnabrück)“, „Freie Bürger (Freiburg)“ oder jegliches andere Straßenmagazin treffen können. Somit hatte es „Asphalt-Magazin“ aus Hannover getroffen.

Ich „Tom Velten“ war allein gelassen von Verwandten und Freunden. Die Grenze zu einem mir damals noch unbekannten Land öffnete sich ohne Waffengewalt. Es war die Deutsch-Deutsche- Wiedervereinigung, welche mir den Abstieg in die sozial-moralische Armut ermöglichte. Im Prinzip war ich ahnungslos, in welche Situation die Bundesrepublik Deutschland mich als DDR-Bürger hinführte. Wohlbehütet unter der DDR-Stasimacht war ich glücklich mit einer Ehefrau – hatte mit ihr ein Kind in die Welt gesetzt – beisammen, und ahnte nicht welch einen Zweck diese eheliche Beziehung galt. Ab, nach der Wende, war ich einsam und allein gelassen. „Vater unbekannt“ las ich später in meiner Stasiakte. – Mein Vater war Parteimitglied in der SED (Sozialistische Einheitspartei der DDR). Diese Funktion durfte in meiner Akte nicht erwähnt werden, ansonsten hätte er die Funktion als Meister in einem VEB-Betrieb verloren. Ich war Republikflüchtling und wollte den scharf bewachten Grenzwall der DDR durchbrechen. Dies wurde, selbst von der eigenen Familie, schwer verurteilt – auch noch heute – obwohl die Grenzen in Europa unbewaffnet offen sind. (Bis jetzt noch)

Die damalige Neugier eine  schusswaffenscharf bewachte Grenze  – ich war damals gerade einmal zwanzig Jahre alt – machte mich, auch innerhalb der Familie, zu einem Schwerverbrecher. Für meine Familie bin ich auch heute noch – obwohl es die DDR schon lange nicht mehr gibt – immer noch ein Kleinkrimineller. Drum sage ich:

Sie haben eine (vielleicht) nennenswerte Familie.

Ich nicht!

Sie werden (vielleicht) familiär geachtet.

Ich nicht!

Sie feiern  (vielleicht), Weihnachten oder Ostern.

Ich nicht!

Geburtstagsparty! Was ist denn das?

Hinweise muss ich hier für ans schwarze Brett schlagen, damit jemand an mich denkt.

Wenn man die Bank – die ich meine – ins englische übersetzen, würde man diese längliche Sitzgelegenheit „Bench“ nennen. Drum ist der Haupttitel zu einem „Bankgeflüster“ nicht daneben gegriffen, denn gerade auf Bänken in Parkanlagen oder sonst wo es überall Bänke gibt (Kirche, Parkanlagen, Stadien, Behörden oder gar „The Bench in the Bank“) denkt man nach. Könnten diese Sitzbänke reden, wir hätten jede Menge Geschichten die eine ganze Großbuchhandlung füllen würde. Würde ich „Big-Issue-Verkäufer gewesen sein, so hieße die Buchreihe „Bankgeflüster“ Benchwispering.

Genau diese schicksalhaften Bänke, ist meine Buchreihenidee, „Bankgeflüster“.

Erst eine Straßenzeitung ermöglichte es mir, dass ich anfing zu lesen und auch zu schreiben. Meine familiäre Einsamkeit war und ist nicht schön, aber die Einsamkeit gab mir den Vorteil über das Leben im Allgemeinen nachzudenken.

Danken möchte ich weltweit all denjenigen danken, die jeden Monat solche Straßenmagazine aus dem Boden stampfen (meist aus dem „Nichts“ heraus), um Menschen aus einer moralischen Armut herauszuhelfen. Diese Zeitungen sind Ihre Spende vom finanziell Bessergestellten wert – Ich weiß es, aus Sicht eines Betroffenen. Außerdem sollte man immer daran denken: „Treffen kann es jeden, wirklich jeden“.

Tom Velten

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. 0

    0

    Der anonyme Kommentar ist von mir.
    Ich wollte noch dazu schreiben, dass ich nicht weiß welche Zielgruppe du erreichen willst. Der normale Asphaltverkäufer wird wohl kaum im Internet
    surfen.

    1. 0

      0

      Ich möchte eigentlich alle Menschen ansprechen, denn es geht ja um unsere Gesellschaft.

  2. 1

    0

    Die Aufmachung ist ansprechend und macht neugierig. Der Inhalt hat sich nur unwesentlich geändert. Aber der Stil mit dem du deine Gedanken zu Paper bringst ist lesenswert.

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