Anne Frank – Ein neuer Kinofilm

Doch niemand konnte lachen

  Zusammen mit einem Freund war ich im Kino, um die Neuverfilmung vom Tagebuch der Anne Frank  anzusehen. Unmittelbar neben mir saßen zwei jungverheiratete Frauen, die sich flüsternd unterhielten: „Das nächste Mal, nehmen wir unsere Männer mit.“, sprach die eine zur anderen.

 Das erst meinem Freund die Popkorntüte umfiel und dann mir die meinige und ein Teil des Inhaltes im Mittelgang des Kinosaals verstreut lag, war doch wohl der einzige wirkliche Lacher an diesem historisch- nachdenklichmachenden Kinoabend. Doch was nun auf der Leinwand geboten werden sollte, sollte wohl eher weniger zum Lachen sein.

Der Film beginnt

  Der Regisseur, Hans Steinbichler, setze von Beginn an auf Trauer und Tragik. Mit einer weinenden und jammernden Anne und den Wehgerufen nach dem Tagebuch Namens „Kitty“ begann der Film und zeigte danach zunächst ein unbeschwertes Leben der Familie Frank. Sie besuchten die Oma in der Schweiz und glaubten, dass die Niederlande genauso neutral wie die Schweiz sei. Also machte sich Otto mit seiner Familie in Amsterdam sesshaft und leitete dort eine Zweigstelle der Firma Opekta. – Einen Gewürzhandel, welcher unter anderem auch ein Geliermittel zur Herstellung von Marmelade produzierte – Doch 1940 gab sich auch Holland geschlagen und die deutschen Nationalsozialisten besetzten das Land. Für die Familie Frank war es nun genauso schlimm wie in der Heimatstadt Frankfurt am Main. Nun mussten auch die holländischen Juden mit dem gelben Davidstern an der Kleidung auf der Straße gekennzeichnet sein.

 In einer verkorksten Strandszene im Film wollte die Regie Steinbichler zeigen, was für Juden ab sofort alles verboten war. Diese Szene sah gestellt aus und zeigte wenig schauspielerisches Talent. Hier hatte der Zuschauer den Eindruck, als wollten nur ein paar Leute durchs Bild laufen, um sich persönlich als Schauspieler einmal vorstellen zu können.

Das Original aus dem Tagebuch

 Man hätte sich doch lieber an den Tagebuchaufzeichnungen der wahrhaften Anne Frank halten sollen. Einfach nur sprachlos aber bildhaft zeigen, was für Juden in der damaligen Zeit alles verboten war. Den original Dialogsatz, aus dem Buch „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Jacqueline van Maaren „Du Anne, ich traue mich nichts mehr zu machen, ich habe Angst, dass es nicht erlaubt ist.“, hätte hier Anwendung finden können. Eine freche Anne gegenüber, eines anders denkenden nationalsozialistischen  Christen, hätte damals fatale Folgen haben können und auch das wusste die clevere, charakterlich lebhafte und wahre Anne Frank.

Der Film geht weiter

Nach dem bei den Franks ein Einschreiben einging, dass sich Margot Frank (gespielt von Stella Kunkat) zum Arbeitsdienst in Deutschland auf dem Bahnhof einfinden solle, suchten die Franks gleich anderentags im strömenden Regen das bereits vorbereitete Versteck auf.

Das Hinterhaus

Die Spielszenen im original aufwändig nachgestellten Hinterhaus „Prinsengrachtstraße 263, Amsterdam“ liefen und stellten bildhaft viele Konflikte der acht Untergetauchten im Versteck nach. Lea van Acken aus Schleswig-Holzstein spielte brillant die Hauptrolle und verkörperte eine lebendige pubertierende Anne Frank.

Sexuelle Spielszenen

Natürlich kam im Film die Sexualität nicht zu kurz, welches nun auch ausführlich bis hin über der Menstruation respektlos gegenüber dem Original erörtert werden musste. Anne Frank allerdings selbst formulierte einen Nachtrag vom 22. Januar 1944, dass sie Dinge ungeniert in ihr Tagebuch schrieb, wofür sie sich schäme. „Ich schäme mich wirklich, wenn ich die Seiten lese, die von Themen handeln, die ich mir gerne schöner vorstelle. Ich habe es so unfein hineingeschrieben. Aber nun genug davon.“, vertraute sich die originale Anne Frank ihrem Tagebuch persönlich an.

Im Kino

Im Kino saßen etwa 50 Leute, die den Film mit Spannung verfolgten. Popkorntüten knisterten, Füße bewegten sich, es wurde gehüstelt, Nase hochgezogen und alle sonstigen Bewegungen waren hörbar. Doch dann ging der Film in die Endphase. Die Verhaftung der acht Untergetauchten folgte. Lea van Acken erzählte als Anne Frank was dann passierte. Haare wurden in einer KZ-Spielszene mit einem Rasierer geschoren. Den Schauspielern liefen (nachgestellt in Szene gesetzt) die Tränen. Im Kino wurde es in den letzten 10 Minuten, der insgesamt 128 Minuten Filmlänge, Spielzeit so still, als würde nur der Film laufen, ohne Besucher im Kinosaal. Hätte man nun eine Stecknadel fallen lassen, hätte man diese neben der traurigen dumpfen Film-Ton-Musik hören können.

Literatur und meine Arbeit

Das Tagebuch der Anne Frank habe ich komplett als eigene Schreibübung abgeschrieben. Ich verglich andere Filme (Kinofilm von 1959, Fernsehfilme und Dokumentarisches), und habe mich intensiv mit der originalen Anne Frank und ihrem Tagebuch befasst.

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen

Zu  guter Letzt setzte ich mich auf mein Dreirad, fuhr zur Gedenkstätte nach Bergen Belsen, um unter Tränen am Grabstein der Margot und Anne Frank Blumen niederzulegen.

Der neue Kinofilm steht unten zur Ansicht in voller Länge zur Verfügung. Kommentieren Sie und bewerten Sie meinen Beitrag.

Tom Velten

 

How useful was this post?

Click on a star to rate it!

As you found this post useful...

Follow us on social media!

We are sorry that this post was not useful for you!

Let us improve this post!

Asphaltmann

Persönliches Vorname: Tom Nachname: Velten Geburtsname: Rudzinski Geboren: 08.01.1963 Geburtsort: Halberstadt Konfession: evangelisch/ lutherisch Schule: 1970 Carl-Friedrich-Gauß POS Halberstadt und 1974 umgeschult in die Salvador Allende POS Halberstadt (ehemalige DDR) bis 1978. Familienstand: geschieden seit 1995 Kinder: eine eheliche Tochter ./. Stefanie Velten geb. am 01.11.1989 in Halberstadt

Schreibe einen Kommentar